PSK Winterschule 2026 – Antikoloniale Perspektiven auf Kapitalismus, Kolonialismus, Imperialismus.

Der moderne Kapitalismus entwickelte sich nicht isoliert in Europa, sondern war von Beginn an auf koloniale Expansion, Versklavung und die gewaltsame Aneignung von Ressourcen angewiesen. Wie Walter Rodney zeigt, beruht der Reichtum Europas wesentlich auf der systematischen Unterentwicklung Afrikas durch Sklaverei, kolonialer Ausbeutung und ungleichen Handel. Diese Prozesse waren keine Fehlentwicklungen, sondern zentrale Voraussetzungen kapitalistischer Akkumulation.

Frantz Fanon sieht darin Imperialismus nicht als Randphänomen, sondern als gewaltsame Lebensform des Kapitalismus selbst. Er beruht auf militärischer Unterwerfung, rassistischer Entmenschlichung und der systematischen Ausplünderung der Kolonisierten. Diese Gewalt wirkt nicht nur nach außen, sondern frisst sich in Körper, Psyche und soziale Beziehungen hinein. Heute ist der kapitalistische Weltmarkt an die Stelle der Kolonialreiche getreten und beutet in vielerlei Hinsicht noch effizienter aus: Globale Ungleichheit, Schuldenregime und militärische Interventionen wirken als koloniale Machtverhältnisse fort, um den Zugriff kapitalistischer Zentren auf die Arbeitskräfte, Rohstoffe und Märkte der Peripherien zu sichern.

In der PSK Winterschule 2026 wollen wir aus antikolonialer Perspektive analysieren, wie Klassenverhältnisse und Rassismus im globalen Maßstab miteinander verflochten sind. Aus den historischen Bezugspunkten wollen wir für heute verstehen, wie eine aktuelle globale Neuordnung und der damit verbundene geopolitische Wettlauf um Ressourcen zentrale Treiber neuer Kriegsdynamiken sind. Damit verbunden ist die Frage, wie eine radikal-universelle Befreiungsperspektive zum Kriegskapitalismus und ein Internationalismus auf Höhe der Zeit aussehen kann.

Die Veranstaltungen sind als Tagesseminare angelegt und werden inhaltlich sowie didaktisch so gestaltet, dass es keiner Vorkenntnisse für die Themen bedarf. Auch wenn die Inhalte durchaus kompliziert werden können, ist es unser Anspruch, dass alle teilnehmen und mitkommen können und wir uns in einem kollektiven Prozess bilden.

Alle Seminare finden im Stadtteilladen Anni Wadle (Kieler Str. 12, 24143 Kiel) statt und aufgrund begrenzter Plätze bitten wir um eine Voranmeldung. Dafür könnt ihr einfach an mail@perspektive-solidaritaet.org schreiben oder euch direkt im Stadtteilladen melden. Die Seminarreihe findet in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung Schleswig-Holstein statt.

Sa. 17.01.2026: Frantz Fanon – Denker und Kämpfer der Dekolonialisierung

mit Philipp Dorestal | 11-17 Uhr

Frantz Fanon (1925–1961) hat mit seinem Buch »Die Verdammten dieser Erde« 1961 einen Klassiker der radikalen politischen Theorie geschrieben, der von Befreiungsbewegungen aus dem globalen Süden ebenso wie von der Studierendenbewegung in den westlichen Metropolen als »Bibel der Dekolonisierung« begeistert aufgenommen wurde. Denker:innen aus dem Umfeld der postkolonialen Theorie konzentrierten sich hingegen auf den »frühen Fanon« und lasen dessen Erstlingswerk »Schwarze Haut, weiße Masken« (1952) als innovative Theorie des Rassismus, vernachlässigten darüber aber den »aktivistischen« Fanon.

Philipp Dorestal rekonstruiert in dem Workshop Fanons Gedankengebäude und macht damit deutlich, dass Fanon eine originelle materialistische Theorie von Rassismus, kolonialer Entfremdung und der politischen Dimension von Begehren formte. Fanon schuf so eine unorthodoxe Form des Marxismus, der die Gegebenheiten des globalen Südens unter der Kolonialherrschaft zu denken versucht und Fragen aufwarf, die auch heute noch von großer Aktualität sind.

Philipp Dorestal studierte Geschichte und Philosophie an der Freien Universität Berlin, der Université Paris Nanterre und der Universität Hamburg. Er ist Mitherausgeber von C. L. R. James’ Buch „Die schwarzen Jakobiner. Toussaint Louverture und die Haitianische Revolution“ (2021). 2025 veröffentlichte er das Buch „Denker der Dekolonisation – Zur Aktualität von Frantz Fanon“ im Dietz Berlin Verlag.

Sa. 21.02.2026: Walter Rodney – Zur politischen Ökonomie von Sklaverei und Kolonialismus

mit Bafta Sarbo | 11-17 Uhr

In seinem kurzen Leben entwickelte sich der aus Guyana stammende Intellektuelle Walter Rodney zu einem der führenden Denker und Aktivisten der antikolonialen Revolution und führte Bewegungen in Nordamerika, auf dem afrikanischen Kontinent und in der Karibik an.

Rodneys zentrale Schrift „Wie Europa Afrika unterentwickelte“ ist ein ambitioniertes Meisterwerk der politischen Ökonomie, das die Auswirkungen der Sklaverei und des Kolonialismus auf die Geschichte des internationalen Kapitalismus beschreibt. In diesem Klassiker legt Rodney unbeirrbar dar, dass die „Fehlentwicklung“ Afrikas keine natürliche geographische Eigenheit, sondern das direkte Resultat der imperialistischen Ausbeutung des Kontinents ist, die bis heute anhält.

In dem Workshop wird Bafta Sarbo das Leben und politischen Wirken von Walter Rodney einführen. Anhand des Hauptwerks und weiterer Texte von Rodney sollen die zentralen Thesen nachvollzogen und ein grundlegendes Verständnis zum Verhältnis von Unterdrückung und Ausbeutung – von Rassismus und Kapitalismus – erarbeitet werden.

Bafta Sarbo ist Sozialwissenschaftlerin, lebt in Berlin und beschäftigt sich mit marxistischer Gesellschaftskritik, (Anti-)Rassismus, Migration und Polizeigewalt. 2022 erschien der von ihr und Eleonora Roldán Mendívil herausgegebene Sammelband »Die Diversität der Ausbeutung« im Dietz Verlag Berlin.

…to be continued!